NTx360° - Innovationsprojekt

Versorgung von Patienten nach Nierentransplantation

Nierentransplantation – und dann? Das Nachsorgeprojekt NTx360° will die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessern und dafür Sorge tragen, dass das Transplantat länger überlebt. Die Betroffenen werden engmaschig begleitet - mit einem speziellen Fallmanagement und per Telemedizin. Ein Sport- und Bewegungsangebot und Hilfe für das seelische Wohlbefinden kommen hinzu. Niedersachsen ist Modellregion für die neue Versorgungsform NTx360°. Moritz ist nierentransplantiert, nimmt an dem Programm teil und beschreibt, was es ihm nützt.

11.01.2018
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Transkript

Transkript: NTx360°- Innovationsprojekt

Moritz Tönjes, 19, Nierentransplantationspatient: In meiner Freizeit arbeite ich gerne mit Traktoren, mit alten Oldtimern. Ich klettere gern auf Bäume und ich bin bei der freiwilligen Feuerwehr. Wie hat meine Transplantation mein Leben verändert? Erstmal hab ich das schon seitdem ich klein bin, ich kenn es quasi gar nicht anders. Ich konnte nicht so die Kontakte schließen wie andere Leute, da ich immer viel im Krankenhaus war. Ich kann gewisse Berufe nicht ausüben, die ich gerne ausüben würde. Und auch wenn man seine Geschichte so erzählt, sagen die Anderen, man soll sich nicht so anstellen. Aber die wissen ja nicht, was man so alles durchgemacht hat. Da steckt mehr dahinter.“

Prof. Dr. Med. Lars Pape, Ärztlicher Leiter NTx360° - Kinder und Jugendliche: Die Schwachstellen in der Nachsorgen der Nierentransplantationspatienten sind einerseits die Auftrennung in unserem Gesundheitssystem in den niedergelassenen Sektor und in den Krankenhaus-Sektor, denen begegnet werden muss.

Prof. Dr. Med. Mario Schiffer, Ärztlicher Leiter NTx360° - Erwachsene: Und nun sind wir hier, nach der Transplantation, hochspezialisiert in dieser Nachsorgesituation, und da wollen wir einfach ein bisschen enger zusammenrücken und von den Erfahrungen der Niedergelassenen profitieren, und die sollen von unseren Erfahrungen profitieren.

Prof. Dr. Med. Lars Pape, Ärztlicher Leiter NTx360° - Kinder und Jugendliche: Es wird auf andere Probleme, die neben der transplantierten Niere bestehen, häufig nicht eingegangen. Wie Herz-Kreislauf, Medikamenten-Adhärenz, über die Frage wann werden wie welche Medikamente eingenommen, welche psychologischen Probleme haben Patienten und wie kann man dabei unterstützend helfen.

Moritz Tönjes, 19, Nierentransplantationspatient: Das Ziel was NTx verfolgt finde ich sehr gut, weil dadurch eine bessere Erhaltung des Organs garantiert wird. Also ne Organtransplantation, das ist nicht ohne.

Prof. Dr. Med. Mario Schiffer, Ärztlicher Leiter NTx360° - Erwachsene: Die Hauptelemente von NTx360° sind zum einen eine elektronische Fallakte, die es uns ermöglicht, mit den niedergelassenen Kollegen direkt elektronisch zu kommunizieren. Und diese elektronische Fallakte soll auch einen Zugang für die Patienten beinhalten.

Moritz Tönjes, 19, Nierentransplantationspatient: Dadurch kann ich sehen, wie es meiner Niere geht, und die können sehen, wie es meiner Niere geht. Und wenn das halt nicht so gut ist, dann versuche ich das schnellstmöglich zu ändern. Denn wenn’s der Niere schlecht geht, geht’s mir auch schlecht.

Prof. Dr. Med. Lars Pape, Ärztlicher Leiter NTx360° - Kinder und Jugendliche: Der Fallmanager steht für den Patienten im Zentrum von NTx360°. Er ist für jedes Problem der Patienten zuständig, und versucht dafür Lösungen zu finden.

Prof. Dr. Med. Mario Schiffer, Ärztlicher Leiter NTx360° - Erwachsene: Der dritte Punkt ist das psychosomatische Assessment, bei dem wir den Patienten Gespräche anbieten, in denen wir herausfinden wollen, ob die Patienten alles über ihre Medikamente wissen. Und ob es zusätzliche Probleme gibt, die von unserer Seite aus gegebenenfalls therapeutisch oder auch medikamentös unterstützt werden können. Ein großes Problem bei unseren Patienten ist ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und das gehen wir an durch Sport-Therapie.

Prof. Dr. Med. Lars Pape, Ärztlicher Leiter NTx360° - Kinder und Jugendliche: NTx360° ist sicher auch für andere Organtransplantationen geeignet. Und aus unserer Sicht könnte eine Ausweitung deutschlandweit in alle anderen Transplantationszentren auch ein guter Schritt sein.

Moritz Tönjes, 19, Nierentransplantationspatient: Ich wünsche mir, dass mein Organ noch lange hält und dass die Wissenschaft schnellstmöglich einen Weg findet, Organe künstlich zu züchten. Dass man nicht mehr warten muss.