Fische: Patienten ohne Fell

Die Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Ein Fischtierarzt? Was macht der denn eigentlich? Untersuchen, röntgen, schallen, impfen, manchmal sogar operieren, etwa beim Kaiserschnitt am Fisch.

Das Berufsfeld Fischtierarzt ist recht unbekannt, dabei gibt es einen großen Bedarf in Deutschland. Alle Betriebe die Fische halten, um sie als Lebensmittel zu verkaufen, sind auf sie angewiesen, hinzu kommen Aquarianer und private Fischhalter.

An der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover gibt es eine eigene Abteilung, die sich um die Gesundheit der Fische kümmert.

16.10.2018
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4 Fragen - 4 Antworten

Mit Prof. Dr. Dieter Steinhagen

Transkript

Transkript: Berufsfeld Fischtierärztin/Fischtierarzt

Felix Teitge, Doktorand Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung: Wir sind von der Abteilung Fischkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Wir sind heute zu einem Bestandsbesuch auf der Forellenteichwirtschaft. Mich begleiten heute ein Student und zwei Doktoranden, die gerade neu bei uns angefangen haben, und sich das auch einmal anschauen. Beim Fisch ist gerade auch die Umwelt ein ganz wichtiges Thema und das kann man eigentlich immer nur vor Ort beurteilen.

Franziska Hack, Doktorandin Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung:Es ist nicht ganz so einfach, dass man einen Fisch kauft, diesen ins Wasser setzt und damit hat sich das erledigt, sondern man muss so viele Dinge beachten.  

Felix Teitge:Kenntnisse über Wasserqualität, Management bei Fischen, Fütterung, Sauerstoffgehalt.

Franziska Hack:Man untersucht verschiedene Wasserproben.

Felix Teitge: Um hinterher das Gesamtbild zu sehen und damit die Fischgesundheit beurteilen zu können.

Franziska Hack: Es ist mir schon passiert, dass Leute mir das nicht glauben wollten, bis ich ihnen dann erklärt habe, was ein Fischtierarzt wirklich macht.

Felix Teitge:Die meisten Leute fangen nicht mit der Intention an, Fischtierarzt zu werden. Das war bei mir nicht anders. Das Schöne am Fischtierarzt ist, dass das ein ganz abwechslungsreiches Arbeitsfeld ist.

Prof. Dr. Dieter Steinhagen, Leiter Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung: Die Eigenschaft, die man mitbringen muss, ist, dass man nicht in vorgefertigten Bahnen denken darf. Man muss versuchen, dass was man weiß und was man beobachtet, auch gut zu verknüpfen.

Franziska Hack:Unser Aufgabengebiet umfasst kleine Guppys über Haie bis hin zu sonstige Exoten.

Dr. Verena Jung-Schroers, Fachtierärztin für Fische Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung: Mit dem Sea Life Hannover haben wir einen Betreuungsvertrag. Das bedeutet, dass ich einmal im Monat hierher komme, mit einem der Aquaristen aus dem Sea Life durch das gesamte Center gehe und wir schauen, ob irgendetwas auffällig ist und dann eventuell den jeweiligen Fisch untersuchen. Es sind einfach wahnsinnige viele Fische, die zum Teil auch ihre Eigenheiten haben, so dass man manchmal doch wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird, wenn ein Fisch krank wird. Wir holen gerade einen Aland aus dem Becken, den wir untersuchen möchten. Er ist seit zwei Wochen aufgrund von Auflagerungen auf der Haut aufgefallen. Hier besteht der Verdacht einer Virusinfektion, ein zyprinides Herpes-Virus. Wir möchten gerne überprüfen, ob es sich tatsächlich, um diese Infektion handelt. Hierfür nehmen wir Proben, um diese im Labor zu untersuchen.

Prof. Dr. Dieter Steinhagen:Wir haben eine ganze Reihe von unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten. Wir können z.B. für die Diagnostik auch bildgebende Verfahren einsetzen. Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen sind hierbei durchaus sinnvoll.

Felix Teitge: Dafür müssen wir den Fisch eigentlich ein wenig sedieren, also ganz leicht in Narkose legen. Damit wir die Untersuchung so genau machen können, um eine vernünftige Diagnose zu erhalten. Das hat natürlich auch den Effekt, dass es dem Fisch ein bisschen die Angst und den Stress nimmt. Sobald der Fisch erfolgreich sediert ist, können wir Abstriche von der Haut an verschiedenen Stellen sowie den Kiemen machen. Bei Zierfischen untersuchen wir zusätzlich häufig noch Spülproben von Magen- und Darmtrakt. Wir schauen uns diese unter dem Mikroskop an, um erst einmal parasitologische Untersuchungen zu machen.

Prof. Dr. Dieter Steinhagen:Wir können dann natürlich Bakterien mit Antibiotika behandeln. Wir können auch Fische impfen, das spielt eine ganz große Rolle.

Felix Teitge:Im Moment bin ich hier am Institut und mache meine Doktorarbeit, die ich demnächst zum Abschluss bringen möchte. Parallel bin ich inzwischen auch in einem weiteren Forschungsprojekt angestellt. Hierbei geht es um die Erforschung eines Parasiten bei Regenbogen-Forellen sowie das mögliche Vorgehen gegen diesen Parasiten.

Dr. Verena Jung-Schroers:Ich freue mich auf das aktuelle Projekt zu den alternativen Behandlungsmöglichkeiten und hoffe, dass wir da gute Ergebnisse erzielen werden. Dann würde ich gerne wie bisher weiterhin mehr zur Mikroflora, Fischhaltungssystem und Fischen machen und hoffe dann auch in diesem Thema habilitieren zu können.

Prof. Dr. Dieter Steinhagen:Ich würde mir wünschen, dass Studierende der Tiermedizin auch den Fisch als Patienten im Blick haben, da es eine interessante Tiergruppe ist, um deren Gesundheit man sich kümmern sollte. Die Studierenden sollten die Scheu verlieren, ein Tier zu behandeln, das kein Fell hat.