Hören für alle - Hearing4all

Forschung im Exzellenzcluster

Hören alle? Ein großes Stück der Wirklichkeit ist für ertaubte Menschen und Schwerhörige ausgeblendet. Die MHH erforscht mit ihrem HörZentrum im Rahmen des Forschungsclusters Hearing4all Hightech-Technologien rund um das Hören und entwickelt diagnostische Verfahren und Therapien für Gehörlose und Hörgeschädigte weiter. Ärzte und Ingenieure forschen und arbeiten hier Hand in Hand, um die individuelle Versorgung mit technischen Hörhilfen zu optimieren.

14.08.2018
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Transkript - Exellenzcluster Hearing4all

Die Zukunft der Hörforschung

Prof Dr. Andrej Kral:Wir sind hier am Verbundinstitut für AudioNeuroTtechnologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Hier gehen rund 65 Wissenschaftler und Mitarbeiter den Fragen der Grundlagen des Hörens, der Diagnostik und der Therapie von Hörstörungen auf den Grund.

Prof. Dr. Hannes Maier:Wir beschäftigen uns hier mit Mittelohrimplantaten, also implantierbaren Hörgeräten, die den Akustischen Stimulus des Mittelohres, aber auch der Cochlea, der Hörschnecke, erzeugen. Hierzu verwenden wir Laser-Interferometrische Verfahren, bei denen man Geschwindigkeiten mit hoher Auflösung und hohen Frequenzen von sehr kleinen Bewegungen, sprich der Mittelohrstrukturen oder der Innenohrstruktur, messen kann.

Wir verwenden diese Technik zur Entwicklung und Optimierung von solchen Geräten. Wir können das, was wir hier machen, nicht nur im OP messen, sondern auch direkte Verfahren im OP verbessern und somit die Entstehung oder Verbesserung von Produkten verfolgen.

Dr. Irina Schierholz:In meiner Arbeit benutze ich hauptsächlich die Methodik der Elektroenzephalografie (kurz EEG), bei der wir mittels einer Vielzahl von Elektroden die elektrische Aktivität des Gehirns grafisch aufzeichnen können. Unser Ziel ist es, Faktoren zu untersuchen, die einen Einfluss auf den Hörerfolg haben, mittels eines Cochlea-Implantats oder auch eines auditorischen Hirnstamm- oder Mittelhirnimplantats. Um ein Gesamtbild zu erhalten, nutzen wir auch andere Untersuchungsmethoden. Zum Beispiel haben wir bei uns im Haus einen großen schallarmen Raum, in dem wir verschiedene Situationen des Hörumfelds simulieren und ebenfalls auch das Richtungshören untersuchen können. Das Faszinierende an unserer Arbeit ist eigentlich, dass wir die Personen von der hochgradigen Schwerhörigkeit bis hin zum Wiedereinstieg in die auditorische Welt begleiten können. Dadurch erkennt man diesen beeindruckenden Vorgang, wie sich das Gehirn durch plastische Mechanismen wieder an den neuen Höreindruck angleichen lässt.

Dr. Thomas Rau:Das Projekt an dem wir arbeiten heißt „Robojig“. Bei dieser Entwicklung geht es um die Bereitstellung von komplett neuen Operationstechniken für Cochlea-Implantate. Bei dieser Technik handelt es sich um einen minimal invasiven Zugang zum Innenohr mit entsprechendem standardisierten Workflow für den Chirurgen, welcher durch entsprechende Assistenzsysteme unterstützt wird. Zurzeit sind wir an dem Punkt, dass wir das „Robojig“-System in einem kliniknahen-Umfeld hier im Experimental-OP entsprechend erproben, auf Genauigkeit prüfen und planen perspektivisch auch den Transfer in die klinische Anwendung. Der Vorteil hierbei ist, dass wir dem Patienten eine größere Sicherheit garantieren können. Zusätzlich wird hierdurch der operative Ablauf beschleunigt, und wir sind nicht mehr an die wenige CI-Zentren gebunden. Somit können wir hiermit die CI-Versorgung in die Fläche tragen. An diesem Projekt begeistert mich die Möglichkeit interdisziplinär als Ingenieur mit den Ärzten zusammenzuarbeiten. Ebenfalls begeistert es mich, hier in Hannover an der Forschungsspitze beteiligt zu sein.

Prof. Dr. Andrej Kral:Der Traum des Hörforschers ist natürlich ein Ohr, das sich mit unserer Unterstützung selber regeneriert. Dieser Traum liegt zurzeit noch weit in der Zukunft, bis dahin wollen wir versuchen, über die Grenzen des Hörens hinauszugehen. Hierdurch werden uns Möglichkeiten eröffnet, durch die wir neue Methoden für die Diagnostik und Therapie des Hörens einsetzen können. Was hierbei sehr wichtig ist, ist das unser Ausgangs- und Endpunkt immer der Hörgeschädigte ist.

Transkript - Mein Leben mit einem Cochlea-Implantat

Ein Medizinstudent erzählt

Meine Cochlear-Implantate habe ich zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten bekommen. Das Erste habe ich 1996 auf der rechten Seite und das Zweite 2008 auf der linken Seite bekommen. 

Durch meine Cochlear-Implantate bin ich in der Lage, so wie ein normaler Mensch zu hören. Darüber bin ich natürlich sehr dankbar, dass die Technologie inzwischen soweit fortgeschritten ist, dass sie das Hörorgan insofern komplett ersetzen kann.

Ich studiere Medizin seit sechs Jahren. Von Anfang an fand ich die Anatomie immer sehr interessant. Deswegen war ein bisschen mein Faible für die Chirurgie geweckt.

Inzwischen bin ich durch unterschiedliche Praktika auch auf den Zweig der Allgemeinmedizin gekommen und könnte es mir sehr gut vorstellen, später eine eigene Praxis zu haben, mit netten Patienten, die gerne zu mir kommen möchten.

Leider gibt es auch bei dem Cochlear-Implantat durchaus ab und zu mal Einschränkungen. Die eigentlich stärkste Einschränkung ist, wenn man sich in größeren Gruppen aufhält und versucht sich mit mehreren zu unterhalten, dann ist es doch meist sehr schwierig jede einzelne Person zu verstehen oder einem größeren Gespräch zu folgen.

Aber nichtsdestotrotz in 80 Prozent aller Situationen bietet mir das Cochlear-Implantat ein super Gehör, was mir unter anderem ermöglicht hat, Medizin zu studieren. Dass ich auf dem Tennisplatz den Trainer hören kann, wenn er mir etwas zuruft. Dass ich mich mit meinen Freuden unterhalten kann, wenn ich mit denen unterwegs bin.

Ich verstehe nahezu alles und komme sehr gut damit im Alltag zurecht.