500 Jahre Reformation: Ablassbriefe in Hannover

Forschungsprojekt von Stadtarchiv und Leibniz Universität Hannover

Von den Anhängern der Reformation wurde besonders der sogenannte Ablasshandel scharf kritisiert. Die Möglichkeit sich von Sünde und Fegefeuer freizukaufen und damit der Hölle zu entgehen, wiedersprach dem reformatorischen Glauben an einen gnädigen Gott und dem Wunsch nach Erneuerung der Kirche. Das Stadtarchiv Hannover verwahrt und restauriert hannoversche Ablassbriefe aus vorreformatorischer Zeit und hat sie für ein Forschungsprojekt Studierenden aus dem historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover zugänglich gemacht.

30.11.2017
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Bereitgestellt durch: Landeshauptstadt Hannover

Transkript

Transkript: 500 Jahre Reformation - Ablassbriefe in Hannover

Prof Dr. Michael Rothmann, Historisches Seminar, Leibniz Universität Hannover: Das Besondere am Jahr 2017 ist, dass sich der Thesenanschlag Luthers 500 Jahre jährt, 500 Jahre Reformation. Das Ablasswesen ist einer der Bereiche, die in der Reformation ganz intensiv kritisiert werden.

Dr. Cornelia Regin, Leiterin Stadtarchiv Hannover: Wir haben in allen hannoverschen Kirchen und Kapellen und anderen kirchlichen Einrichtungen solche Ablassurkunden öffentlich ausgestellt gehabt. Und diese Ablassurkunden haben sich über die Jahrhunderte überliefert. Also, hat man, als die Reformation durchgeführt wurde, diese Ablassurkunden aus den Kirchen und den anderen Einrichtungen entfernt und im städtischen Archiv verwahrt. Und bis heute sind sie bei uns erhalten. Es ist besonders, dass wir diese Urkunden überhaupt über 500 Jahre und länger erhalten konnten, dass sie alle Wirrnisse und Schäden, die über die Stadt gekommen sind, überlebt und überdauert haben. Und sie sagen eben etwas aus über die Zeit, als Hannover noch katholisch war. Hier sehen Sie eine sogenannte Sammelurkunde für die Marktkirche in Hannover. Sie ist ausgestellt 1319 in Avignon. Hier in der Marktkirche könnte diese Urkunde an dieser Stelle gezeigt worden sein. Hier unten sehen Sie die Schnüre, an denen die Siegel der 22 Erzbischöfe und Bischöfe befestigt sind, die sich an der Originalurkunde im Stadtarchiv befinden. Darüber ist jeweils geschrieben, welcher Bischof diesen Ablass mit ausgestellt hat. Die katholische Kirche hat die Lehre verbreitet, dass der Gläubige, wenn er-, bevor er in den Himmel gelangte, sich von seinen Sünden, Strafen befreien musste, indem er Buße tat und indem er bestimmte fromme Leistungen erbrachte.

Prof Dr. Michael Rothmann, Historisches Seminar, Leibniz Universität Hannover: Das Ablasswesen beginnt sich zu intensivieren im 12. und 13. Jahrhundert. Das hängt auch damit zusammen, dass man das Fegefeuer dann tatsächlich in den Glauben implementiert. Der Inhalt dieser Briefe ist relativ einfach und eindeutig. Zunächst werden alle Institutionen genannt, die für die Vergebung der Sünden mit diesem Ablassbrief garantieren. Dann wird der Ort genannt, in dem dieser Ablass dann Gültigkeit hat. Ergänzt wird in der Regel noch die Dauer des Ablasses, also die Gültigkeit, wie lange man sich dann Vergebung von den Süden damit versprechen kann. Für die Menschen hat das eine relativ große Bedeutung. Für die reformierten Christen bedeutet das quasi die Gründung ihrer Religionsgemeinschaft, für die katholische Seite wahrscheinlich immer noch Ketzerei.